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Kalihalden in Deutschland

Weit sichtbare Pyramiden im Herzen der Bundesrepublik

Es sind die Könige der Halden des Bergbaus in Deutschland, die sich im mitteldeutschen Raum als häufig auch aus der Ferne sichtbare Pyramiden erheben. Man entdeckt diese Berge im Raum Hannover, im Umland des Harzes und im Tal der Werra. Es sind große Spitzkegel, die meist grau, weiß gesprenkelt oder schneeweiß sind. Sie tragen im Volksmund Namen wie "Monte Kali" oder "Kalimandscharo" und spielen damit ein wenig humorvoll auf bekannte große Berge der Erde an.

Die großen Berge sind Abraumhalden des Kali-Bergbaus, also dem Abbau von Kalisalzen tief unter der Erde. Diese Salze dienen vor allem als Düngemittel, in der Industrie oder der Pharmazie. Auf den Halden liegt jedoch der Abraum, also wie im Steinkohlebergbau das für das Unternehmen uninteressante Nebengestein und Bodenmaterial, das mit Förderbändern auf die Spitze der Halde transportiert und dort abgekippt wurde bzw. wird. So entstanden die an vielen Stellen charakteristischen Spitzkegelhalden, die beinahe gigantische Ausmaße erreichen. Während sich Bergehalden des Kohleabbaus im Ruhrgebiet in den letzten Generationen sanft in die Landschaft einfügen sollten, sodass sie nach einigen Jahren der Renaturierung beinahe nicht als solche wahrzunehmen waren und tatsächlich teilweise auch sind, ragen die Kalihalden zum Teil um bis zu ca. 250 Meter Höhe über Grund steil aus der Landschaft heraus und fallen mit ihren unbewachsenen Oberflächen und ihre steilen Böschungen auf. Allerdings gibt es auch niedrigere Exemplare wie die größtenteils abgetragene Halde in Ronnenberg (Region Hannover) – oder gleich die doppelte Ausführung in Form von Zwillingen wie in Teutschenthal (Sachsen-Anhalt).

Kalihalde

Halde Teutschenthal (Sachsen-Anhalt)

Kalihalde

Monte Kali Heringen (Foto: R. Raulf, 2016)

Kalihalde

Halde Lehrte (Niedersachsen)

Durch ihren hohen Salz-Gehalt sind die Halden ein Risiko für die Umwelt, in der sie stehen. Vor allem bei Regenfällen wird das Salz gelöst und fließt in umliegende Gewässer. Tiere und Pflanzen und ganze Ökosysteme werden dadurch unter Umständen getötet. Außerdem können die steilen Böschungen durch Wind und Wetter erodiert werden, sodass es zu Hangrutschungen oder Staubverwehungen kommen kann. An einigen der Berge lassen sich heute mehr oder weniger ausgeprägte Erosionsrinnen erkennen. Die stillgelegten Kalihalden sollen daher langfristig weitgehend eingekapselt und renaturiert werden, damit salzhaltiges Sickerwasser nicht mehr ab- und auslaufen kann.

Nach und nach sollen an dieser Stelle einige der Kalihalden in Mitteldeutschland näher vorgestellt werden. Begonnen wird mit den großen Pyramiden rund um Hannover. Hier konzentrieren sich sieben große Halden rings um das Stadtgebiet im Leinetal, am Steinhuder Meer und im Calenberger Land nördlich vom Deister. Die folgende Karte gibt eine Übersicht über die Kalihalden rund um die Landeshauptstadt von Niedersachsen. Zur Orientierung ist die Deutschlandkarte mit anderen Kalihalden-Standorten in der Bundesrepublik eingeblendet. Zusätzlich existieren großflächig abgetragene oder Kleinst-Standorte.

Kalihalden in der Region Hannover

So hoch die Halden sind und so weit der Blick vom Gipfel reichen mag: Keine einzige der Halden ist derzeit ständig für einen Besuch zugänglich, da der Aufenthalt schlicht und einfach zu gefährlich ist und keiner der Betreiber die Verantwortung für Unfälle übernimmt. Einige wenige Halden können im Rahmen von Führungen oder an besonderen Tagen besucht werden. Regelmäßig ist die möglich auf einer der größten von ihnen, dem bis zu 250 Meter hohe "Monte Kali" von Heringen an der Werra. Hier werden die Führungen durch das Kalimuseum organisiert. Der relativ niedrige Kaliberg in Sehnde könnte schon zeitnah nach fortgeschrittener Renaturierung zu einem Naherholungsgebiet umgewandelt werden.

Nach Besuch einiger der Halden im Herbst 2021 werden diese nach und nach an dieser Stelle vorgestellt.

Hinweis zu den Fotos: Das Erscheinungsbild der jeweiligen Halde kann sich bei aktiven Bergwerken durch frische Aufschüttungen unterschiedlicher Materialien in der Farbe und auch in der Ausdehnung zur heutigen Situation unterscheiden. Es werden teilweise historische Aufnahmen verwendet, die entsprechend gekennzeichnet sind.

Halde Bokeloh    

 

Halde Bokeloh in Wunstorf

Zwischen den Ortschaften Bokeloh und Mesmerode erhebt sich eine große Abraumhalde des Kaliwerks Sigmundshall. Ihre Fläche beträgt etwas weniger als 50 Hektar. Der Gipfel überragt die Umgebung etwa um 130 Meter und liegt auf knapp 180 m ü. NN. Damit ist die Halde Bokeloh annähernd so groß wie die höchste Bergehalde des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet, die Halde Oberscholven in Gelsenkirchen mit ca. 137 m Höhe über Grund. Durch ihre Höhe ist sie sehr gut auch aus der Entfernung zu erkennen, beispielsweise von allen Ufern des Steinhuder Meers, das sich in der Nähe befindet, von der Autobahn A2 oder der ICE-Strecke zwischen Bielefeld und Hannover bei Haste.

Das Kaliwerk stammt bereits aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende, im Jahr 1905 wurde die Förderung aufgenommen und 2018 stillgelegt. Damit ist auch die Aufhaldung des Abraums abgeschlossen. Langfristig soll die Halde vollständig begrünt werden, weswegen Stück für Stück eine spezielle Oberfläche als Gründung aufgetragen wird. Es ist allerdings noch nicht klar, ob Mitte der 2030er Jahre mit fortgeschrittener Begrünung die Halde dann zugänglich gemacht wird.

Die Halde ist derzeit nicht zu besteigen, allerdings kann man sich auf öffentlichen Radwegen bzw. Feldwegen dem Berg annähern. Die Fotos stammen aus der aktiven Zeit des Kaliwerks kurz vor der Schließung im Jahr 2016. Heute zeigt sich der Berg in anderen grün-gelblichen Farben, da sowohl Grundmaterial für die Begrünung und spezieller Schutz gegen Windverwehungen aufgebracht wurde.

Kalihalde Bokeloh in Wunstorf

Kalihalde aus nördlicher Richtung von Altenhagen gesehen

Kalihalde Bokeloh in Wunstorf

Westliche Bergflanke

Kalihalde Bokeloh in Wunstorf

Aus der Landschaft herausragender Kaliberg. Das zugehörige Werk liegt verdeckt dahinter

Kalihalde Bokeloh in Wunstorf

Aufhaldung durch Förderbänder vom Gipfel aus (2016)

Kalihalde Bokeloh in Wunstorf

Blick aus östlicher Richtung

Kalihalde Bokeloh in Wunstorf

Nebenstraße mit Alleebäumen und bester Aussicht auf die Halde Bokeloh von Osten

Kalihalde Bokeloh in Wunstorf

Siedlung vor dem hohen Berg

Kalihalde Bokeloh in Wunstorf

Kalihalde am Ufer von der Insel im Steinhuder Meer gesehen

Informationen zur Anreise:

Die Halde ist über Wunstorf bequem über die Autobahn A2 erreichbar (Anschluss-Stelle Wunstorf-Kolenfeld).

Geographische Koordinaten:
52°25'00.39"N, 9°21'41.48"E – Gipfel der Halde
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
524552 m, 5807461 m – Gipfel der Halde

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Der Radweg "Parks und Gärten im Schaumburger Land" führt direkt an der Halde vorbei. Vom Steinhuder-Meer-Rundweg ist es ein kurzer Abstecher zur Halde ab Altenhagen oder Hagenburg.

Kartenmaterial / Literatur: In den rechts dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen.

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Zu den Halden im Ruhrgebiet Auf der Themen-Auswahlseite finden Sie weitere Dokumentationen dieser Art zu anderen Halden im Ruhrgebiet. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Bergehalden, Typen und Generationen sowie Landmarkenkunst auch eine Übersichtskarte zu finden.

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 11 / 2021
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(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr