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Früher Bergbau am Thabrauck

Zeche Nepomuk, Zeche und Halde Frohe Ansicht und Zeche Haggenberg in Fröndenberg

Die Ruhe ist herrlich. In den Baumwipfeln streiten sich kurz zwei Krähen und fliegen dann davon. Von irgendwo links schallt das vernehmliche Klopfen eines Spechtes. Ein Bach plätschert munter durchs Tal. Und doch streift eine Wildsau durch den Wald. Die Wildsau ist kein Tier, sondern die eigene Person – animiert durch eine Informationstafel, Relikte des Bergbaus mitten im Wald zu suchen und zu finden.

Irgendwo zwischen den Fröndenberger dörflich geprägten Vororten Ardey und Frömern steht am Rande der Straße Thabrauck (Brauck bedeutet im althochdeutschen soviel wie sumpfiges Land oder Moor) ein verstecktes Hinweisschild, das über die ehemalige Kleinzeche aufklärt. Wie im Muttental auch, wurde hier zunächst oberflächennah im 16. Jahrhundert in Pingen und später sogar waagerecht im Berg in Stollen nach Kohle gegraben – entsprechende Nachweise von 1574 sind vorhanden. Um 1774 begann der Abbau durch die Zeche Nepomuk, betrieben vom nahegelegenen Kloster Scheda in der Nachbarstadt Wickede (Ruhr) bis etwa 1800. Es folgte 1821 die Zeche Frohe Ansicht, die an dieser Stelle bis 1847 förderte und dann aufgegeben wurde. Kleinzechen erlebten durch die Kohleknappheit nach dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) eine Renaissance. Im Jahre 1951 entstand aus diesem Grunde an selber Stelle die Kleinzeche Haggenberg. Im Jahre 1953 änderten sich die Besitzverhältnisse und die Zeche Haggenberg wurde umbenannt in die alte Bezeichnung Zeche Frohe Ansicht. Knapp drei Monate darauf kam es am 24. Oktober zu einem schweren Unfall, bei dem ein Bergarbeiter ums Leben kam und andere über Stunden eingeschlossen waren, jedoch gerettet werden konnten. Dieser Unfall bedeutete das endgültige Aus des Bergbaus am Thabrauck und in Fröndenberg Ende Oktober 1953.

Wer das Schild und die darunterstehende Karte sehr ernst nimmt, erwartet im Wald womöglich eine in Teilen erhaltene Zeche, mindestens Fundamente – wenn im Text schon Überreste der Verladung erwähnt sind. Man muss jedoch schon sehr heimatverbunden oder themeninteressiert sein, damit der Besuch vor Ort nicht nur ein – wenn auch idyllischer – Waldspaziergang ist. Zunächst steht man, wenn man den Ort des Geschehens identifiziert oder sich die Position in der Karte gemerkt hat, in einem alten, U-förmigen Sandsteinbruch, dessen Rand offensichtlich nach Norden hin eine Bergehalde begrenzt. Dass es hier zwangsläufig eine Bergehalde geben muss, die das Bergematerial vom Graben der Stollen aufgenommen hat, ist selbstverständlich. Ob es sich allerdings um den vermuteten Hügel am "Eingang" zum Steinbruch handelt, ist fraglich. Bei Beobachtung des Geländes erscheint allerdings dieser Standort im Relief als künstlich und am ehesten wahrscheinlich. Eine offizielle Bezeichnung wird es nicht geben. Da das Kind auf der Haldenhauptseite einen Namen braucht, wird im Weiteren von der Halde Frohe Ansicht gesprochen. Trotz ihrer Eigenschaft, als Minihalde die Umgebung nur um wenige Meter zu überragen, ist der Gipfel in der Liste einer der höchsten im Ruhrgebiet – bedingt allerdings ausschließlich durch die absolute Höhenlage der Haldenbasis über dem Meeresspiegel, denn der Ort der Zeche liegt mitten auf dem Höhenzug Haarstrang. Klettert man auf die vermutete Bergehalde, also auf den linken Rand des Steinbruchs, so entdeckt man in der Nähe im Waldboden fernab des Weges nicht zu verachtende, trichterförmige Löcher, die teilweise ehemalige Schächte u.a. aus dem 18. Jahrhundert darstellen. Weiter im Osten liegt ein zweiter, kleinerer Steinbruch, der heute sogar teilweise wassergefüllt ist. Seine Lage direkt am Waldrand wird zum Thabrauck hin durch einen hölzernen Hochstand markiert, weshalb er auch vom Auto aus bei der Vorbeifahrt ausgemacht werden kann.

Am westlichen Talhang befinden sich Überreste der genannten Pingen, die heute als Einsturztrichter am Hang sichtbar sind. Meist erfolgte ein Betrieb in diesen schachtartigen Löchern von Hand bis zum "Absaufen" des Loches, wie es fachmännisch tatsächlich heißt, wenn der Grundwasserspiegel erreicht wurde. Pumpen, Dampfmaschinen oder gar elektrischen Strom kannte man schließlich nur bedingt. Etwa hundert Meter weiter südlich davon befand sich laut Informationstafel das Stollenmundloch. Tatsächlich kann man leicht oberhalb des Baches stehend eine künstlich wirkende Hohlkehle im Hang erkennen, aus der Wasser des Baches mit manchmal recht hoher Schüttung zutage tritt, während das eigentlich rechts vom Berg kommende Bachbett trockenliegt. Es ist der letzte offensichtliche Überrest des Stollens.

Womöglich mag der ein oder andere angesichts dieser offensichtlichen kulturellen "Fülle" die Nase rümpfen, doch es gibt definitiv Menschen, die beim Anblick dieser minimalen Hinterlassenschaften des Bergbaus ins Schwärmen geraten. Man stelle sich vor, wie es hier vor 60 Jahren, aber auch vor über 200 Jahren gar nicht so still war wie heute und einige Meter unter dem Berg schwarzes Gold in mühsamer Handarbeit gewonnen wurde. Als tatsächlich noch eine Verladung existierte und der Steinbruch nach Steinbruch aussah. Ohne Wald. Ohne Specht. Und ohne Wildsau.

idyllisches Tal bei Fröndenberg

Ein idyllisches, bewaldetes Tal zwischen Stickherdicke und Ardey

Halde Frohe Ansicht

Auffallende künstliche Vollform: vermutete Bergehalde

Auf der Halde

Steile Hänge am Steinbruch und auf der Halde

Bergbau am Thabrauck

Einsturztrichter an einem Schacht aus dem 18. Jahrhundert

Panorama Ardeyer Wald

90°-Panorama mit dem Pingenhang (links) und der vermuteten Bergehalde (zweites Drittel) - Maussensitive Karte mit Erläuterungen

Haldenböschung

Vermutlich Böschung der Halde

Künstliche Formen

 

Aussicht auf den Thabrauck

Blick von der ehemaligen Zeche zu einer Reitanlage

Bergbau: Löcher im Wald

Weitere Hohlformen im Gelände

Einsturztrichter am Thabrauck

Krater im Wald: weiterer eingestürzter Schacht der Zeche

Halde in Fröndenberg

Bachtal mit vermuteter Bergehalde

Pingen

Überreste von mittelalterlichen Pingen im Wald (Vordergrund)

Stollenmundloch Frohe Ansicht

Mundloch (Pfeil): Bachwasser tritt aus – im Foto unsichtbar

Während die von Menschen gemachten Formen in der Landschaft, also Halde, Gruben und Schächte, in der unbelaubten Saison etwa von Oktober bis April einigermaßen gut auszumachen sind, fällt dies in der Sommersaison deutlich schwerer. Dann ist die Halde zugewachsen, der Boden durch Gräser, Kräuter und niedrige Büsche bedeckt und der Steinbruch nur mit Mühe als solcher zu identifizieren.

Zeche Frohe Ansicht

Einsturztrichter an der Stelle ehemaliger Schächte

Halde in Fröndenberg

Zugewachsene Halde im Sommer

Steinbruch an der Zeche Frohe Ansicht

Bedeckter Boden und Rand des Steinbruchs

Pingen als Hohlform im Wald

Überrest einer Pinge als Trichterhohlform im Gelände

In unmittelbarer Umgebung zur ehemaligen Zeche Frohe Ansicht / Haggenberg befindet sich keinerlei gastronomische oder sanitäre Einrichtung. Die nächste Möglichkeit mit Auswahl bietet die Innenstadt Fröndenbergs oder die von Unna.

Anreise mit dem Auto: Auf der A44 bis zur Ausfahrt 53 Unna Ost. Dort auf die B233 Richtung Menden / Iserlohn, die womöglich in einigen Navigationssystem oder Karten noch als Autobahn A443 bezeichnet ist. Bis zum Ende fahren (60 km/h ernstnehmen!) und dort rechts Richtung Fröndenberg abbiegen. Auf der Hügelkuppe vor dem Restaurant links in die K26 Hubert-Biernat-Straße abbiegen und den bereits beschriebenen →Bismarckturm Unna rechts liegen lassen. Den Berg hinab, bis die Dorfschaft Landwehr erreicht wird (ohne Ortstafel; erkennbar an 50 km/h und zahlreichen Bauernhöfen). Jetzt aufpassen: Die Straße Thabrauck liegt hinter einer Rechtskurve ziemlich plötzlich auf der rechten Seite, ein Fahrrad-Richtungsschild weist zum Bahnhof Ardey. Der Straße folgen. Hinter der uneinsehbaren Rechtskurve am Reiterhof haben Sie das Ziel quasi erreicht, nur kann man hier unmöglich parken. Eine einigermaßen günstige Parkmöglichkeit befindet sich einige hundert Meter weiter an der abknickenden Vorfahrt mit dem Inselbaum.

Hier können Sie das Auto für gewisse Zeit an den Rand stellen. Im Zweifelsfalle bietet sich noch eine Möglichkeit, wenn Sie der Vorfahrt geradeaus entweichen, die Bahnbrücke überqueren und in der Feldwegkreuzung stehen bleiben. Dann zu Fuß den Thabrauck zurück gehen bis zum Hinweisschild. Dort links in den Waldweg. Geradeaus, dann dem Weg um die Rechtskurve folgen und Sie laufen geradewegs auf das Ziel zu - dort, wo der Weg die scharfe Kehre nach links macht, befindet sich schräg rechts die vermutete Bergehalde.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Thabrauck in 58730 Fröndenberg / Ruhr

Geographische Koordinaten:
51°29'20.87"N, 7°43'51.79"E – Parkmöglichkeit am "Krausen Baum"
51°29'30.10"N, 7°43'33.46"E – Halde und Schächte
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
411899 m, 5704983 m – Parkmöglichkeit am "Krausen Baum"

411551 m, 5705275 m – Halde und Schächte

Anreise mit dem ÖPNV: Von Dortmund Hbf mit der RB 59 »Hellweg-Bahn« nach Unna. Von Hagen Hbf am besten mit dem RE 7 oder RE 13 Richtung Hamm bzw. Münster oder Rheine bis Unna. Dort umsteigen in die RB 54 »Hönnetal-Bahn« nach Menden oder Neuenrade. Achtung: In Unna ist die Tarifgrenze des VRR erreicht; es gilt ein ZRL- oder NRW-Ticket! Mit der RB 54 bis Ardey fahren. Die Gesamtfahrtzeit von Dortmund beträgt etwa 50 bis 80 Minuten – je nach Abfahrtszeit von Dortmund. Am Wochenende funktioniert auch die Variante von Hagen über Fröndenberg mit dem RE 17 »Sauerland-Express« – in Fröndenberg besteht Sa. und So. direkter Anschluss an die RB 54 nach Unna – werktags allerdings nur zu bestimmten Uhrzeiten! Die Fahrtzeit beträgt dann nur 25 Minuten. Alternativ bietet sich dann der Bus der Linie 180 Richtung Unna (Zweistundentakt) oder Warten auf die nächste Regionalbahn an.

Vom Bahnhof Ardey zu Fuß über den Bahnübergang, direkt rechts in die Straße Thabrauck. Der Straße aus Ardey hinaus folgen. Vorsicht vor dem Straßenverkehr, es gibt hinter dem Ortsausgang keinen Geh- oder Radweg! An der abknickenden Vorfahrt links bis zum Schild "Bergbau am Thabrauck" und links in den Waldweg hinein. Diesem geradeaus folgen um die Kurve und Sie laufen geradewegs auf die Halde zu.

Alternativ ggf. mit Wanderkarte vom Bahnhof über den Übergang und die Straße Thabrauck hoch, am Feld links in die Straße Bredde. Diese Straße bis zum Ende am Feld laufen und dort rechts in den Weg Richtung Wald laufen. Bis zum Ende folgen. Links abbiegen und kurz darauf in den Wald eintauchen, rechts halten, bis der Weg wieder am Feldrand ankommt. Dem Rand auf dem Pfad folgen, bis das Schild an der Straße erreicht ist. Der Weg ist etwa 2 km lang und deckt sich teilweise mit dem Wanderweg der Geotope um Ardey (unausgeschildert).

Quellen und weitere Informationen:

Informationen zur Zeche sind einer Informationstafel entnommen. Durch eigene Besuche vor Ort konnten Eindrücke zu der Anlage aufgenommen werden. Online-Lexika wurden nicht verwendet. Es ist anzumerken, dass Daten auf dem Schild teilweise von in anderen Quellen genannten Jahreszahlen abweichen. Zum Abgleich der geschichtlichen Daten wurde folgender Zeitungsartikel verwendet:

Peuckert, J.: Spurensuche in alter Zeche. Ortsheimatfpleger erzählt Geschichten über die "Frohe Ansicht". In: Hellweger Anzeiger vom 21.06.11

Route Industriekultur (Thabrauck): www.route-industriekultur.de (Themenroute "Sohle, Dampf und Kohle")
Industriekultur im Ruhrgebiet Halden Ausflugsziele

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite zur Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Gebäude oder Gelände wie Zechen, Museen oder technische Besonderheiten.

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 07 / 2015
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr

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