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Der Piepenfritz am alten Stichkanal

Zeche und Halde Friedrich der Große I / II in Herne

Wer heute auf der Autobahn A42 bei Herne-Horsthausen unterwegs ist, hätte bis in die 1930er Jahre an dieser Stelle mit Aquaplaning rechnen müssen. Unter der heutigen Trasse der Bundesautobahn verlief nämlich der elf Kilometer lange Zweigkanal des Dortmund-Ems-Kanals von Henrichenburg nach Herne, auch Stichkanal Herne genannt, der Mitte der 1890er Jahre eröffnet wurde und der noch jungen Zeche Friedrich der Große als Transportmittel diente. Der Kanal verlief etwa von der heutigen Autobahnanschlussstelle Baukau nahe dem Schloss Strünkede in nordöstlicher Richtung bis zum heute als Herner Meer bezeichneten Yachthafen. Bis dorthin hatte er eine Länge von ca. 2,5 Kilometern. Der weitere Verlauf entspricht dem später umgetauften heutigen Rhein-Herne-Kanal. Seit dem Jahre 1914 ist das Herner Meer mit dem Duisburger Binnenhafen und damit mit dem Rhein und der Nordsee verbunden.

Die Zeche Friedrich der Große begann nördlich der damals noch kleinen Stadt Herne in Horsthausen 1874 mit ihrer Kohleförderung. Noch heute sind wenige Gebäude unweit der Autobahnabfahrt Horsthausen erhalten geblieben. Im Jahre 1893 ging ein zweiter Schacht auf der Anlage in Betrieb. Zwei Jahre später konnte der Verladehafen am neuen Stichkanal, der direkt am Zechengelände entlang führte, seine Arbeit aufnehmen.

In der folgenden interaktiven Abbildung ist die Situation in den 1920er Jahren dargestellt. Zu sehen ist in der Mitte der alte Stichkanal mit der Zeche auf der südlichen und der Halde auf der nördlichen Seite, verbunden durch eine Brücke. Mit Klick oder Fingertipp auf die Abbildung kann zwischen einem entsprechenden aktuellen Luftbild der Region hin und her gewechselt werden (aus technischen Gründen "springt" die Halde um wenige Pixel). An Stelle des Kanals entdeckt man heute dort die schnurgerade Autobahn A42:

 Historische Ansichten

Kurz darauf begann auch die zweite Schachtanlage III / IV / VI in etwa zwei Kilometern Entfernung mit ihrer Förderung. Hier erhielt die Zeche einen zweiten Verladehafen an der Stelle, an der später der Rhein-Herne-Kanal nach Duisburg führen sollte. Etwa einen Kilometer nach Norden entfernt von der ersten Schachtanlage entstand 1913 der Wetterschacht V auf der sogenannten Emscherinsel zwischen Kanal und Fluss. Im Jahre 1973 wurde die nahegelegene Zeche Mont-Cenis übernommen. Das Verbundbergwerk musste jedoch kurz darauf im Jahre 1978 die Zechentore schließen. Bedingt durch Bergschäden wurde der Stichkanal zusammen mit dem ersten Verladehafen 1937 stillgelegt. Zunächst erfolgten die Abschottung vom anschließend auf ganzer Länge bis Henrichenburg umbenannten Rhein-Herne-Kanal, die Ablassung des Wassers, die Zuschüttung – siehe nächster Abschnitt – und Jahre später die Überbauung durch die Autobahn.

 

Ehemalige Halde Friedrich der Große I / II

Auf der nördlichen Seite des Stichkanals Herne wurde eine mächtige Bergehalde aufgeschüttet. Sie bedeckte, wie oben ebenfalls im Kartenvergleich "damals und heute" zu erkennen, große Flächen des heutigen Wohngebietes, das durch die Nordstraße begrenzt wird. Zu diesem Zwecke existierte eine Brücke, über die der Abraum hinübergeschafft wurde. Nach Schließung des Kanals diente die Berge zur Auffüllung des inzwischen trockengefallenen Kanalbetts und mit als Basis für die in den 1970er Jahren auf diesem Teilstück gebaute Autobahn A42. Anstelle der Bergehalde findet man an der Leibnitzstraße und Jobststraße heute ein Reihenhaus-Wohngebiet vor.

Besonders auffällig ist hier am Rande der Autobahn ein hervorstechender Hügel. Man muss dazu sagen, dass er wahrscheinlich außerhalb der ehemaligen Haldenfläche liegt, wie historische Luftbildvergleiche mit denen von heute zeigen. Womöglich handelt es sich dabei jedoch um einen letzten, etwa ein Hektar großen Rest der Halde. Der Berg erreicht eine Höhe von 65,5 Metern über dem Meeresspiegel und rd. 14 Meter über der Umgebung. Unabhängig davon, ob Resthalde oder nicht: Größtenteils wird die Fläche des Nordhangs genutzt als Kinderspielplatz. Eine am Hang gebaute Rutsche nutzt den Höhenunterschied zwischen „Gipfel“ und Haldenfuß aus.

Halde Friedrich der Große in Herne (Rest)

Aufgang an der Leibnitzstraße

Halde Friedrich der Große in Herne (Rest)

Spielplatz mit Rutsche am Haldenhang

Halde Friedrich der Große in Herne (Rest)

Kleines Gipfelplateau, links hinter der Böschung ist die Autobahn

Halde Friedrich der Große in Herne (Rest)

Tierischer Besuch auf der Halde

Fazit und Tipp des Webmasters: Nicht weit entfernt von der Halde liegt in der Flucht des ehemaligen Stichkanals das Herner Meer im Bereich der Schleuse. Von dort aus führt der Radweg auf der alten König-Ludwig-Trasse nach Recklinghausen. Auf der anderen Seite befindet sich das kleine Wasserschloss Strünkede mit dem Emschertalmuseum. Lohnenswert ist auch ein Abstecher zur ehemaligen Zeche Mont-Cenis mit dem gläsernen Gebäude der Fortbildungsakademie im Stadtteilpark Sodingen.

 

Informationen zum Besuch der ehemaligen Halde:

Anreise mit dem Auto: Auf der A42 bis zur Ausfahrt 23 Herne-Horsthausen. Aus Richtung Dortmund geradeaus, aus Richtung Gelsenkirchen zunächst rechts und dann links in die Nordstraße. Nach ca. 500 Metern links abbiegen in die Jobststraße und sofort links abbiegen in die Leibnitzstraße. Nach wenigen hundert Metern liegt die „Halde“ mit dem Spielplatz links.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Leibnitzstraße, Nähe Kreuzung Auguststraße in Herne.

Geographische Koordinaten: 51°33'10.18"N, 7°13'20.38"E – Heutiger Haldenrest
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 376779 m, 5712841 m

Anreise mit Bus und Bahn: Mit den Zügen des Nah- und Fernverkehrs bis Bochum Hbf. oder Herne. Von dort mit der U35 Richtung Schloss Strünkede bis zur Endstation. Zu Fuß entlang der Bahnhofstraße Richtung Autobahnbrücke und vorher links in die Leibnitzstraße. Etwa 450 Meter geradeaus weiterlaufen bis zur Halde auf der rechten Seite.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Vom Emscher- und Emscher-Park-Radweg ist vom Stadthafen nahe des Umspannwerks Recklinghausen ein Abstecher zum Schloss Strünkede und weiter zur ehemaligen Halde möglich. Dazu auf der Bahnhofstraße ggf. Emscher und Kanal überqueren und vor der Autobahn links in die Leibnitzstraße abbiegen.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist die Szenerie z.T. unbenannt dargestellt. In der Rad- und Wanderkarte "Essen und Umgebung" im Maßstab 1:50.000 liegen Schloss und Standort der Halde im Planquadrat B7. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

 Rad- und Wanderkarte Essen und Umgebung   Radwanderkarte Ruhrgebiet  

Quellen und weitere Informationen:

Zechen der Stadt Herne: www.herne.ruhr

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Natur & Landschaft, alte Zechen und Industrieanlagen und andere technische Besonderheiten.

Halden Ausflugsziele


Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 01 / 2016
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(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr